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Blog

16 Tage im Wiederaufbau

Unser Projekt Mountainbike 6000 ist für Martin und mich schon lange in den Hintergrund getreten, denn die Folgen der Naturkatastrophe in Ladakh hat uns voll in Beschlag genommen. In den ersten Tagen holten wir uns Blasen an den Händen, als wir in Leh ein Internat vom Schlamm befreiten. Später merkte ich, dass bisher nur vom Ausmass der Katastrophe in der Umgebung der Region Leh gesprochen wurde. Ich schloss mich der Ladakh Buddhist Association (LBA) an und sammelte Informationen in abgelegenen Dörfern in der Sperrgebieten an der pakistanischen Grenze. Dank den grosszügigen Spenden der Reformierten Kirche des Kantons Zug und der Stadt Zug konnten wir nebst der Soforthilfe auch eine Spendenfonds für 13 stark betroffene Familien mit insgesamt über 100 Personen einrichten.

Um 7 Uhr morgens stand ich mit Ringzin vor dem Modern Bazar. Gemeinsam hatten wir eine erste Hilfelieferung für die Region Sham/Baltik organisiert. Unser Ziel war e,s Informationen über das Ausmass der Flut in diesen kleinen Dörfern zu sammeln. „Ein grosses Problem bleibt uns", sagte ich vor der Abfahrt zu Ringzin, „ich darf als Ausländer diese Region ohne Spezialerlaubnis nicht betreten."
Ringzin lachte nach einer kurzen Gedankenpause und antwortete: „Mache dir keine Sorgen mein Freund, wir sind in einem LBA Auto unterwegs, wir halten an keinen Kontrollposten an und niemand wird es wagen uns zu stoppen".
Nach unserem Budget planten wir circa 40 Personen zu unterstützen, doch schon im ersten Dorf musste ich diese Idee begraben. In Achina Thang, ca. 130 km von Leh entfernt, stoppten wir ein erstes Mal. In einem engen, felsigen Tal zieht sich der Dorfteil Achina Lungba in die Höhe. Was ich in Achina Lungba sah, übertraf meine bisherigen Vorstellungen von Naturgewalten. Eine schmaler Fahrweg zog sich in den Felswänden ins Tal nach hinten, unter uns ein kleiner, idyllischer Bergbach. Gute 15 Meter stand ich über dem Talboden, als ich einen grossen Baumstamm nahm, der mitten auf dem Weg lag. Meine Begleiter der LBA blieben stehen und schüttelten den Kopf. Erst dadurch realisierte ich von wo der Schlamm überzogene Baum kam.
Die Flut hatte eine derartige Wucht, dass sie stellenweisen 15 Meter hoch kam und alles mit sich riss, was nicht fest war. Die Bewohner hatten Glück im Unglück. Als die Flut um sieben Uhr abends durch das Tal donnerte, waren die meisten Menschen noch auf den Feldern. Es gelang ihnen gerade noch ihre Kinder mit sich zu reissen und durch die Felswände in der Berge zu steigen. Die Flut hinterliess nichts als Schlamm und Steine. Felder, Häuser, Tiere und Maschinen sind für immer spurlos verschwunden. Nachdem auch die Felder fortgespült sind, gibt es für diese Menschen keine Zukunft in ihren Dörfer, der verlorene Boden wurden über hunderte von Jahren fruchtbar gemacht und ist nun fort. Den Menschen bleibt nichts, sie müssen ihre Dörfer mit einer ungewissen Zukunft verlassen. Wir konnten Ihnen eine ganz kleine Sicherheit geben, einen kleinen Anteil in einem Fonds für ihre Zukunft.

Gerne nehmen wir Spenden entgegen, um den betroffenen Familien zu helfen. Die Spendenbox befindet sich auf der Startseite rechts oben!

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Rückkehr nach Leh

Seit 2 Tagen sind wir nun in Leh zurueck. Die Verkehrswege und Kommunikation in und um Leh sind noch immer gelaehmt.

Als wir uns ueber das Dorf Thugje auf den Rueckweg nach Leh machten probierten wir ueber den Mitarbeiter der Schweizer Botschaft die wichtigsten Informationen ueber den Strassenzustand einzuholen. Wir entschieden uns danach ueber Rumtse auf dem direkten Weg nach Leh zu reisen, obwohl wir wussten, dass ein 30km Abschnitt der Strasse zerstoert war.
Bei meinem Freund Tahsi besorgten wir uns am Vorabend noch Hilfe um den schwierigen Weg durch das zerstoerte Tal zu ueberwinden. Mit grossen Taschen und Seesaecken auf dem Ruecken starteten wir morgens um halb sechs. Das Ausmass der Zerstoerung mochte uns trotzdem zu schockieren, vielerorts war von der Strasse ueber Kilometer nichts mehr zu sehen. Wir mussten Felswaenden entlang klettern, unter uns stets der reissende Fluss. In der einen Hand trug ich mein Bike, mit der anderen hielt ich mich am Fels fest.
Nach 5 Stunden erreichten wir Ubshi im Industal, von wo aus wir mit dem Jeep nach Leh fuhren.

In vielen der Doerfer entlang des Indus liegt ein Meter Schlamm, 2000 Familien sind obdachlos und unzaehlige starben in den Fluten des Sturms.

Seit gestern beteilige ich mich aktiv am Wiederaufbau. Waehrend 6 Stunden schaufelten wir gemeinsam mit Einheimischen tonnenweise  Schlamm aus einer Internatsschule. Meine weiteren Reisen wurden abgesagt und ich kann mich nun fuer den Wiederaufbau von Ladakh einsetzten.

„Ich bin zufrieden mit dem Himalaya-Rekord"

Wir sind heute in Thugje am Tso Kar See angekommen und organisieren von hier die Weiterreise nach Leh. Wir haben gerade mit einem Mitarbeiter der Schweizer Botschaft in Leh telefoniert und Informationen zum Zustand der Strassen erhalten. Wir müssen sicher 20 bis 30 Kilometer der Strecke zu Fuss gehen und sollten es in zwei Tagen nach Leh geschafft haben. Wenigstens ist das Wetter heute besser: Es hat aufgetan und es scheint sogar die Sonne.

Gestern an unserem Ruhetag im Camp hatte ich ausreichend Zeit, mir die Geschehnisse der vergangenen Tage durch den Kopf gehen zu lassen. Die schreckliche Natur-Katastrophe in Leh konnte natürlich niemand vorausahnen. Normalerweise regnet es hier in Ladakh kaum, die starken Gewitter und Hagelstürme waren auch für die Einheimischen ungewohnt. Am Montag, als ich auf sechstausend Meter hinaufgefahren bin, verunmöglichte Schnee und schliesslich ein Hagelsturm, noch weiter zu fahren. Konditionell wäre ich dazu in der Lage gewesen. Daher hat es nicht geklappt mit dem Weltrekord, den ich eigentlich angestrebt habe: Im April dieses Jahres fuhr der Deutsche Andre Hauschke in Chile mit seinem Mountainbike bis auf 6085 m hinauf.

Ich bin der Erste, der im Himalaya auf einen Sechstausender gefahren ist. Mit diesem Rekord muss ich jetzt zufrieden sein. Angesichts der Katastrophe in Leh möchte auch nicht noch einmal einen Versuch starten, sondern so schnell wie möglich in die Hauptstadt um zu sehen, wie wir die Einheimischen vor Ort unterstützen können. Sonst helfen sie mir immer, jetzt kann ich etwas davon zurückgeben. Ob ich nächstes Jahr versuche, den Weltrekord zu brechen, steht noch in den Sternen.

 

Aufgezeichnet von Mirjam Fuchs.

wettergewalt

Wettergewalt im Himalaya: Abendszene während der Expedition 2009.

Überschatteter Sechstausender-Rekord

Claude hat gestern die Sechstausender-Marke geknackt: Er fuhr mit seinem Mountainbike bis auf 6002 m ü. M. Damit ist er der Erste, der einen Sechstausender im indischen Himalaya komplett befahren hat. Die heutige 16 km lange Fahrt war alles andere als ein Sonntagsspaziergang, denn für einen gültigen Rekord war weder Tragen noch Schieben des Bikes erlaubt. Um das zu schaffen, musste er selbst einen Weg durch den Schotter finden und fuhr den Berg schliesslich im Zickzack-Kurs hoch. Ab 5800 m hatten wir extrem viel Schnee, was die Fahrt noch beschwerlicher machte, die 6002 m waren das absolute Maximum, das bei diesem Wetter möglich war. Claude sass 98 Prozent der Strecke im Sattel. Hut ab vor dieser Leistung!

Ich habe ihn auf den Sechstausender hinauf begleitet und das Ganze fotografisch festgehalten. Oben war aber keine Zeit um uns auszuruhen, denn ein Hagelsturm zwang uns zur schnellen Rückkehr ins Camp. Die Freude über den gelungenen Sechstausender-Rekord wird überschattet von den tragischen Ereignisse in Leh. Wir sind froh, dass es geklappt hat, aber wir machen uns sehr grosse Sorgen um den Verlieb unserer Freunde und den Zustand der Stadt. Sobald wir zurück in Leh sind, werden wir versuchen, die Einheimischen nach allen Kräften zu unterstützen.

Heute ruhen wir uns noch einen Tag im Camp aus, dann versuchen wir zurück nach Leh zu kommen. Der Zustand der Strassen ist ungewiss, ein Teil des Leh-Manali-Highways sei zerstört, wir wissen aber nicht, in welchem Ausmass. Zum Glück haben wir einen Jeep für Notfälle dabei, das kommt uns jetzt sehr entgegen, sonst müssten wir den ganzen Weg mithilfe der Lastpferde und zu Fuss gehen. Allerdings reicht unser Dieselvorrat nur bis zum Highway - wir hoffen, dass auch Tanklastwagen stecken geblieben sind oder das wir den Jeep sonst wo auftanken können.


Aufgezeichnet von Mirjam Fuchs.

Letzter Rekordversuch

Seit der Katastrophe in Leh vom Freitag zerbrechen wir uns den Kopf darüber, ob wir den Rekordversuch abbrechen sollen. Wir haben zwar noch genügend Vorräte und Kochsprit für eine Woche, aber das Wetter ist anhaltend schlecht und der moralische Druck ist riesig.

Als Erstes klärten wir denn auch ab, wie es den Angehörigen unserer einheimischen Begleiter geht. Dafür sind wir mit dem Jeep an den Tso Kar See gefahren, da es dort gute Verbindung mit dem Satellitentelefon gibt. Wir haben grosse Achtung davor, wie die Menschen hier mit der Katastrophe umgehen. Die Kinder der Nomaden, die hier oben leben, gehen alle in Leh im Stadtteil Choglamsar zur Schule. Choglamsar wurde komplett zerstört und die Nomaden haben noch keine Nachricht von ihren Kindern, trotzdem bleiben sie ruhig. Ihre tapfere Haltung ist inspirierend: Wir haben keinen Grund in Panik auszubrechen, wenn Menschen neben uns solche Sachen durchmachen.

Freitag und Samstag sind wir im Camp geblieben, da es momentan kein vor und zurück gibt, die Strassen sind grösstenteils zerstört. Nur Herumsitzen macht uns aber fertig, deshalb haben wir uns gemeinsam mit unseren Begleitern dazu entschieden, noch etwas zu versuchen, bevor wir nach Leh zurückkehren.

Gestern bin ich alleine bis auf 5500 Meter, kam aber in einen Hagelsturm. So etwas habe ich noch nie erlebt! Das Wetter ist seit Tagen schlecht, wir befinden uns immer noch mitten in Gewitterstürmen. Auch der Wasserstand der Flüsse ist hoch, Donnerstagnacht mussten wir 3 Stunden graben um einen Fluss umzuleiten, damit das Camp nicht unter Wasser stand.

Heute starten wir noch einen letzten Versuch, dann kehren wir zurück nach Leh.

 

Aufgezeichnet von Mirjam Fuchs.

Starke Unwetter gefährden den Rekordversuch

Auch wir sind von den starken Regenfällen in der Region betroffen. Um es gleich vorweg zu nehmen: Wir sind alle gesund und munter! Aber vergangene Nacht fegten zahllose starke Gewitter über unser Camp hinweg, von überall her blitzte und donnerte es. Unsere einheimischen Begleiter waren voller Angst: Solches Wetter haben sie in Ladakh noch nie erlebt! Auch uns wurde es mulmig beim Gedanken an einen Blitzeinschlag, wir machten praktisch kein Auge zu und beschlossen schliesslich, unsere Sachen zusammenzupacken und loszugehen.

Heute haben wir per Satellitentelefon von den schlimmen Verwüstungen in der Hauptstadt Leh gehört: Eine Schlammwelle hat die Stadt überrollt und über 80 Menschen in den Tod gerissen. Wir sind sehr betroffen! Viele Gebäude, auch der Flughafen, seien beschädigt. Das Kommunikationssystem ist zusammengebrochen und wegen dem schlechten Wetter können nicht einmal Helikopter mit Hilfsgütern in Leh landen. Stündlich steigen die Opferzahlen. Wie es wohl unseren Ladakhi-Freunden in Leh ergangen ist? Auch unsere einheimischen Begleiter machen sich grosse Sorgen um ihre Angehörigen. Wir überlegen uns deshalb, ob wir nicht umkehren sollen und den Rekordversuch abbrechen. Aber zurzeit sind wir wohl sicherer hier oben auf 5300 m ü M, denn die Schlammwellen bedrohen vor allem die tiefer gelegenen Regionen.


Aufgezeichnet von Mirjam Fuchs.

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Wolkenhimmel über Leh: Martin und Claude am letzten Abend vor der Abreise.

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