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Blog

Starke Unwetter gefährden den Rekordversuch

Auch wir sind von den starken Regenfällen in der Region betroffen. Um es gleich vorweg zu nehmen: Wir sind alle gesund und munter! Aber vergangene Nacht fegten zahllose starke Gewitter über unser Camp hinweg, von überall her blitzte und donnerte es. Unsere einheimischen Begleiter waren voller Angst: Solches Wetter haben sie in Ladakh noch nie erlebt! Auch uns wurde es mulmig beim Gedanken an einen Blitzeinschlag, wir machten praktisch kein Auge zu und beschlossen schliesslich, unsere Sachen zusammenzupacken und loszugehen.

Heute haben wir per Satellitentelefon von den schlimmen Verwüstungen in der Hauptstadt Leh gehört: Eine Schlammwelle hat die Stadt überrollt und über 80 Menschen in den Tod gerissen. Wir sind sehr betroffen! Viele Gebäude, auch der Flughafen, seien beschädigt. Das Kommunikationssystem ist zusammengebrochen und wegen dem schlechten Wetter können nicht einmal Helikopter mit Hilfsgütern in Leh landen. Stündlich steigen die Opferzahlen. Wie es wohl unseren Ladakhi-Freunden in Leh ergangen ist? Auch unsere einheimischen Begleiter machen sich grosse Sorgen um ihre Angehörigen. Wir überlegen uns deshalb, ob wir nicht umkehren sollen und den Rekordversuch abbrechen. Aber zurzeit sind wir wohl sicherer hier oben auf 5300 m ü M, denn die Schlammwellen bedrohen vor allem die tiefer gelegenen Regionen.


Aufgezeichnet von Mirjam Fuchs.

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Wolkenhimmel über Leh: Martin und Claude am letzten Abend vor der Abreise.

Verregnet in der Einsamkeit

Nach drei Tagen Soloanreise bin ich heute wieder auf Martin Bissig und mein Team gestossen, die mit dem Jeep hierher gefahren sind. Das Wetter ist schlecht, seit gestern Abend regnet es wie verrückt und die Berggipfel um uns herum sind weiss verschneit. Unsere einheimischen Begleiter sagen, sie haben noch nie solches Wetter im August erlebt. Besonders die Anfahrt heute über die nassen Wege hat mich körperlich ausgelaugt, aber ich versuche mich hier auf 5300 m ü. M so gut wie möglich von den rund 150 Kilometern Fahrt zu erholen und freue mich nach fast drei Tagen Einsamkeit über etwas Gesellschaft.

Ich habe mich bewusst für eine Anreise ohne Begleitung entschieden: Der langsame Aufstieg ist nicht nur für meine Lunge gut, sondern auch für meinen Geist. Mein Körper soll sich an die Höhe gewöhnen, mein Kopf Ruhe finden. Eine Art Schweige-Zäsur, auf der ich mich auch mental auf den Rekordversuch einstellen kann. Obwohl ich ziemlich nervös war vor der Abfahrt, freute ich mich, dass es endlich losging. Schliesslich habe ich mich über ein Jahr vorbereitet und vielen Menschen von der Idee, einen Sechstausender zu befahren erzählt, ohne es aber schon geschafft zu haben.

Früh am Montagmorgen bin ich von Leh aus gestartet: Durchs Industal ging es über Teerstrassen durch kleine Dörfer. Ständig überholten mich grosse Tata-Lastwagen und bliesen mir ihre Abgase ins Gesicht, nicht gerade angenehm! Im Dorf Sasoma besuchte ich das Haus eines alten Freundes, dem Horseman Tashi. Er hat mich auf vergangenen Expeditionen zuverlässig begleitet. Letztes Jahr habe ich ihm einen Zahnarztbesuch bezahlt, da er während der Tour zwei Wochen lang unter starken Zahnschmerzen litt und aus dem Mund blutete. Stolz präsentierte er mir jetzt den gezogenen Zahn und die Zahnbürste, die er sich gekauft hatte.

Am zweiten Tag verliess ich die Zivilisation endgültig und bog in ein einsames Seitental ein. Mein Herz machte einen Sprung, als ich endlich die Strasse verlassen konnte. Einsamkeit und Abenteuer - genau das, was mir gefällt! Nach sechs Stunden Fahrt machte ich einen frühen Feierabend, gönnte meinen Beinen etwas Erholung und wollte eigentlich die Bergwelt geniessen. Mittlerweile war ich nämlich ganz entspannt: All der Vorbereitungsstress, das Durchdenken von Möglichkeiten, die Gespräche über die Planung und Risiken in den letzten Tagen vor der Abfahrt waren schon weit weg. Aber dann begann der grosse Regen und ich betete, dass mein Biwack dicht halten würde. Morgens um vier war ich trocken, dann liess der Biwack durch und mein Schlafsack wurde nass. Ich entschied, sofort aufzubrechen und fuhr noch in der Dämmerung los.

Heute um 12:00 traf ich im Camp bei den anderen ein und freute mich wie ein kleines Kind über das Mittagessen. Ich hatte einen Bärenhunger und verschlang den Reis mit Eiern und Salat. Nun erhole ich mich hier im Camp für zwei bis drei Tage und hoffe, dass sich das Wetter bald bessert.

Aufgezeichnet von Mirjam Fuchs.

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Tashi und Claude beim Beladen der Pferde bei einer Expedition im Juli 2009. Bild: Martin Bissig.

Wiedersehen mit Buttertee

Was für ein Trip! Nach einer 28-stündigen Reise kam ich am Mittwochmorgen endlich in Leh an. Abends traf ich den bärtigen Claude, der gerade von der dreiwöchigen Tour zurückkehrt war. Es gab viel zu erzählen und am liebsten wäre ich noch am selben Abend raus um Bilder zu schiessen. Aber ich hielt mich streng an unser Akklimatisations-Konzept und vebrachte die ersten 48 Stunden auf 3500 Meter über Meer mit Trinken, Liegen, Essen und TV schauen.

Inzwischen habe ich mich bestens an die Höhe gewöhnt. Claude und ich sind nun bereits seit drei Tagen in Leh unterwegs und haben bereits an die 40 Gigabyte Film- und Fotomaterial produziert! Nun treffen wir letzte Vorbereitungen, denn morgen Montag starten wir mit der erste Etappe Richtung Sechstausender.

Den ersten Höhepunkt unseres Aufenthalts erlebten wir gestern: Dank unserem Guide Angchock wurden wir mitsamt Bike im lokalen Kloster von einem Mönch in einer feierlichen Zeremonie gesegnet. Das darauffolgende Anzünden der Butterlampe sollte uns für unser Projekt zusätzliches Glück bringen.

Kein Glücksgefühl gab mir hingegen der Buttertee, den wir in der Klosterküche serviert bekamen. Während Claude den Inhalt der Tasse mutig runterstürzte, brachte ich keinen zweiten Schluck des salzigen Tees herunter. Sorry, aber mein Magen kommt vor dem Anstand!

Im Kloster haben wir auch herausgefunden, dass unser Brillensponsor UVEX sich weltweit engagiert: Wir trafen einen Mönch mit einer stylischen Sonnenbrille, ein Muss in der starken Bergsonne.

In zwei Tagen beginnt unsere Expedition. Ich freu mich riesig und bin gespannt auf die Herausforderung, die dort oben auf uns warten. Bis dahin geniesse ich die warme Dusche und das bequeme Hotelbett!


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Lächeln, auch wenn der Magen rebelliert: Buttertee im Kloster Spituk.

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Schutz vor der Bergsonne: Mönch mit UVEX Sonnenbrille.

Nass bis auf die Unterhosen

Nach einer dreiwöchigen Tour quer durch den indischen Himalaya sind wir zurück in Leh und freuen uns über unsere trockenen Hotelbetten. Denn am Ende der Tour, die ich als Mountainbikeguide leitete, wurden wir so richtig fest verregnet. Als wir unsere Zelte im Camp Takstago aufbauten, öffnete der Himmel seine Schleusen und entleerte sämtliche Wasservorräte der vergangenen Wochen. In meinen ganzen 14 Monaten Himalaya-Erfahrung habe ich so etwas noch nie erlebt.

Ich begann, mir ernsthafte Sorgen um die Sicherheit unserer Gruppe zu machen. So viel Regen würde nicht spurlos an den Trails unserer Route vorbeigehen. Auf den letzten 17 Kilometern warteten auf uns rund 50 Flussüberquerungen, Steilwände aus losem Geröll und über dem Weg gelegene Sandhaufen, die jederzeit ins Rutschen kommen könnten. In meinem Tourenbuch hatte ich für die Strecke deshalb auch fett vermerkt: „Bei nassen Verhältnissen/ Niederschlag nicht befahren!".

In dieser Situation stand ich als Tourenleiter natürlich ziemlich unter Druck: Die Rückflüge meiner Gäste, bereits gebuchte Jeeps, und Expeditionspartner für den Rekordversuch warteten auf uns, das Essen wurde langsam knapp - und niemand wollte eine weitere Nacht in nassen Schlafsäcken verbringen. So führte ich die Gruppe im Zickzackkurs durchs Tal und auf Sandbänken über den Fluss, mit grösstmöglichem Abstand zu den Gefahren an den Talseiten.

Aber selbst die besten GoreTex-Jacken nützen nichts, wenn man durch hüfttiefe Flüsse fahren muss. Bald waren auch die letzten feigen „Sandbankfahrer" nass bis auf die Unterhosen. Nach kurzer Missstimmung fanden aber bald alle ihr Lachen wieder. Die beste Strategie für die Flussüberquerungen fand Pirmin: Er wurde, noch immer auf dem Bike sitzend, von der Strömung abgetrieben und sein Vorderrad versank im trüben Wasser fast senkrecht in einer Flusstiefe. „Einfach heroisch ins Wasser stechen und mit der Strömung flussabwärts Richtung Ufer treiben" kommentierte Pirmin sein „Bike-Rafting".

Nach gut drei Stunden Fahren, Schieben und Schwimmen gelangten wir zum Leh-Manali-Highway, wo bereits Jeeps warteten und uns, pflotschnass wie wir waren, ins Hotel nach Leh brachten. Ich war überrascht, dass meine Gäste trotz Wetter so guter Laune waren: Sie erkoren den wortwörtlich ins Wasser gefallenen Tag zu einem der Besten der ganzen Tour.

Eine gelungene Tour, sowohl für meine Gäste wie auch für mich: Ich konnte mich in den drei Wochen optimal an die Höhe akklimatisieren und gleich nochmals vor Ort für den Rekordversuch trainieren. Mittlerweile ist Martin mit der Fotoausrüstung hier eingetroffen und wir treffen noch einige letzte Vorbereitungen in Leh. Und Montag in der Früh geht's los Richtung 6000er!

Mein Stativ wartet schon!

Bald gehts auch für mich los! Claude ist bereits seit dem 10. Juli in Ladakh, um seinen Körper an die Höhe zu akklimatisieren. Ich hingegen hatte hier in der Schweiz noch einige Fotoshootings zu erledigen. Vergangene Woche war ich im Auftrag eines Bikeproduzenten im Berner Oberland unterwegs. Mit dem Heli flogen wir zu den schönsten Spots und konnten so bereits morgens um 07:00 im schönsten Morgenlicht mit der Arbeit beginnen. Die Sicht auf die Berggipfel war gigantisch und ein schöner Vorgeschmack auf den Himalaya!

Innerhalb von zwei Tagen muss ich meine Sachen packen, denn am Montagmorgen fliege ich nach Delhi. Mit Claude habe ich Anfangs Juli unser gesamtes Expeditions-Material im Garten ausgelegt und getestet. Weiter unten findet ihr Bilder, die verdeutlichen, wie viel Material für so einen Himalaya-Expedition benötigt wird. Ein grosser Teil des Gepäcks ist bereits nach Indien geflogen. Ich werde noch mein Bike, mein ganzes persönliches Material sowie die gesamte technische Foto- und Filmausrüstung mitnehmen.

Etwas jedoch kann ich ruhig zuhause lassen. Mein Stativ, welches ich im letzten Dezember in Ladakh vergessen habe, hat den Winter gut überstanden und ist bereits bestens an die Höhe akklimatisiert! Claude hat mich nach seiner Ankunft angerufen und mir freudig mitgeteilt: "Hey, ich habe dein Stativ gefunden. Es lag immer noch auf dem Rücksitz im Auto des Guides". Noch einmal Glück gehabt - und ein Kilo weniger im Gepäck!

Die Gefahren der Höhe

Wir sind nun schon fast eine Woche im Himalaya und befinden uns noch immer in der kritischen Phase der Akklimatisation. Einer meiner Begleiter musste die Reise bereits nach drei Tagen abbrechen, weil sich bei ihm ein Lungenödem bildete. Durch den Druckunterschied sammelte sich Blut in seiner Lunge. Eine Worst Case Situation, die zeigt, dass die Gefahren der Höhe nicht zu unterschätzen sind!

Unser Sicherheitskonzept hat sich jedoch bewährt: Wir erkannten die ersten Anzeichen für das Ödem sofort und gingen ins Krankenhaus, wo sich ein einheimischer Arzt um unser Teammitglied kümmerte und die richtige Diagnose stellte. In Absprache mit dem Arzt der Versicherung hier in der Schweiz organisierten wir innerhalb von drei Stunden seinen Abflug. Mittlerweile ist er zurück in der Schweiz und fühlt sich „pudelwohl".

Wir haben Leh mittlerweile verlassen und die Hotelbetten mit Mätteli und Schlafsack getauscht. Das Wetter ist hervorragend, am Tag wird es bis 27 Grad warm (nur in der Nacht fällt das Thermometer auf 0 Grad und wir sind froh über unsere warmen Kleider im Gepäck). Dank den warmen Temperaturen schmilzt auch endlich der Schnee. Dafür führen aber die Bäche immer mehr Wasser, was es uns nicht immer leicht macht, sie zu überqueren.

Nachdem wir heute drei 5000er Pässe überquert haben, von denen ich zwei vollständig befahren konnte, übernachten wir auf 5060m über Meer. Allerdings sorgen hämmernde Kopfschmerzen dafür, dass es nicht allzu gemütlich wird. Auch das eine „Nebenwirkung" der Höhe. Mit der richtigen Atemtechnik lassen sich aber mehr rote Blutkörperchen bilden: Drei Sekunden einatmen, drei Sekunden halten - das ist die beste Medizin gegen die Schmerzen.

 

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