Nass bis auf die Unterhosen
| 31. Juli 2010
Nach einer dreiwöchigen Tour quer durch den indischen Himalaya sind wir zurück in Leh und freuen uns über unsere trockenen Hotelbetten. Denn am Ende der Tour, die ich als Mountainbikeguide leitete, wurden wir so richtig fest verregnet. Als wir unsere Zelte im Camp Takstago aufbauten, öffnete der Himmel seine Schleusen und entleerte sämtliche Wasservorräte der vergangenen Wochen. In meinen ganzen 14 Monaten Himalaya-Erfahrung habe ich so etwas noch nie erlebt.Ich begann, mir ernsthafte Sorgen um die Sicherheit unserer Gruppe zu machen. So viel Regen würde nicht spurlos an den Trails unserer Route vorbeigehen. Auf den letzten 17 Kilometern warteten auf uns rund 50 Flussüberquerungen, Steilwände aus losem Geröll und über dem Weg gelegene Sandhaufen, die jederzeit ins Rutschen kommen könnten. In meinem Tourenbuch hatte ich für die Strecke deshalb auch fett vermerkt: „Bei nassen Verhältnissen/ Niederschlag nicht befahren!".
In dieser Situation stand ich als Tourenleiter natürlich ziemlich unter Druck: Die Rückflüge meiner Gäste, bereits gebuchte Jeeps, und Expeditionspartner für den Rekordversuch warteten auf uns, das Essen wurde langsam knapp - und niemand wollte eine weitere Nacht in nassen Schlafsäcken verbringen. So führte ich die Gruppe im Zickzackkurs durchs Tal und auf Sandbänken über den Fluss, mit grösstmöglichem Abstand zu den Gefahren an den Talseiten.
Aber selbst die besten GoreTex-Jacken nützen nichts, wenn man durch hüfttiefe Flüsse fahren muss. Bald waren auch die letzten feigen „Sandbankfahrer" nass bis auf die Unterhosen. Nach kurzer Missstimmung fanden aber bald alle ihr Lachen wieder. Die beste Strategie für die Flussüberquerungen fand Pirmin: Er wurde, noch immer auf dem Bike sitzend, von der Strömung abgetrieben und sein Vorderrad versank im trüben Wasser fast senkrecht in einer Flusstiefe. „Einfach heroisch ins Wasser stechen und mit der Strömung flussabwärts Richtung Ufer treiben" kommentierte Pirmin sein „Bike-Rafting".
Nach gut drei Stunden Fahren, Schieben und Schwimmen gelangten wir zum Leh-Manali-Highway, wo bereits Jeeps warteten und uns, pflotschnass wie wir waren, ins Hotel nach Leh brachten. Ich war überrascht, dass meine Gäste trotz Wetter so guter Laune waren: Sie erkoren den wortwörtlich ins Wasser gefallenen Tag zu einem der Besten der ganzen Tour.
Eine gelungene Tour, sowohl für meine Gäste wie auch für mich: Ich konnte mich in den drei Wochen optimal an die Höhe akklimatisieren und gleich nochmals vor Ort für den Rekordversuch trainieren. Mittlerweile ist Martin mit der Fotoausrüstung hier eingetroffen und wir treffen noch einige letzte Vorbereitungen in Leh. Und Montag in der Früh geht's los Richtung 6000er!








